Genetischer Hintergrund

Auch die genetische Veranlagung eines Patienten kann den Erfolg einer Implantation maßgeblich beeinflussen. Vor allem in Kombination mit anderen Risikofaktoren erhöhen bestimmte Genveränderungen das Risiko für periimplantäre Erkrankungen erheblich.

Familiendarstellung aus Papier

Analog zur Parodontitis spielt das Immunsystem auch bei der Entstehung der Periimplantitis eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zytokine Interleukin-1A (IL-1A) und Interleukin-1B sowie deren Gegenspieler, der Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1-RN). IL-1 ist als wichtiger Entzündungsmediator an der Bekämpfung bakterieller Erreger oder defekter Zellen beteiligt. Auch im Knochenstoffwechsel besetzt IL-1 eine Schlüsselposition: Indem es die Osteoklasten aktiviert und die Osteoblasten inaktiviert, verschiebt es das Gleichgewicht in Richtung Knochenabbau.

Wenn das Immunsystem überreagiert

Patienten, die bestimmte Veränderungen in den IL-1-Genen aufweisen, reagieren auf Entzündungsreize mit einer Überproduktion dieses Botenstoffes. Sie zeigen daher einen signifikant erhöhten Knochenverlust sowie eine allgemein erhöhte, erblich bedingte Entzündungsneigung. Insbesondere bei Patienten, die zusätzliche Risikofaktoren (z.B. Rauchen) aufweisen, ist ein positiver IL-1-Genotyp mit deutlich höheren Erkrankungs- und Komplikationsraten assoziiert. So müssen Raucher mit entsprechender genetischer Veranlagung zu 50 % mit Implantatversagen oder signifikanten biologischen Komplikationen wie höherem Attachmentverlust rechnen.

Analyse des IL-1-Polymorphismus

Vor allem bei Rauchern ist eine präimplantologische Bestimmung des IL-1-Polymorphismus dringend anzuraten, da diese Patientengruppe bei entsprechender genetischer Veranlagung zu 50 % mit Implantatversagen oder signifikanten biologischen Komplikationen wie höherem Attachmentverlust rechnen muss. Auch eine Veränderung im IL-1RN-kodierenden Gen ist gemäß Untersuchungen von Laine et al. mit einer erhöhten Anfälligkeit für Periimplantitis verbunden und stellt demzufolge einen Risikofaktor dar. Somit kann eine Analyse des IL-1-Polymorphismus (z.B. GenoType IL-1,) eine wertvolle Hilfestellung in der Festlegung des Therapiekonzeptes sein.

Engmaschiges Recall

Patienten mit Veränderungen der IL-1-Gene sollten besonders engmaschig betreut werden und weitere parodontale Risikofaktoren möglichst reduzieren bzw. meiden. Unter Umständen benötigen Patienten mit einer erhöhten Entzündungsneigung zu einem früheren Zeitpunkt der Behandlung eine antibiotische Begleittherapie. Die Kenntnis des IL-1-Risikotyps ermöglicht dem behandelnden Zahnarzt also neben der Abschätzung des Krankheitsverlaufes auch die Festlegung individuell angepasster Recallintervalle.