Die Bakterienkomplexe nach Socransky

Die parodontopathogenen Bakterien werden je nach Eigenschaften und Pathogenität in Komplexe eingeteilt. Diese Komplexe stehen in engen wechselseitigen Beziehungen zueinander und schaffen sich gemeinsam eine geeignete Lebensgrundlage.

Frühkolonisierer

Die Bakterien des Grünen und Orange-assoziierten Komplexes können sich mittels Fimbrien an die Pellikel anheften und dadurch der Ausspülung durch die Sulkusflüssigkeit entgehen. Diese sogenannten Frühkolonisierer bilden damit die Grundlage für eine Besiedlung des Sulkus mit weiteren Parodontitisbakterien. Sie werden als eher moderat pathogen eingestuft. Je nach Konzentration ist eine rein mechanische Therapie zur Reduktion dieser Keime ausreichend.

Brückenspezies

Der Orange Komplex umfasst Bakterien, die als sogenannte „Brückenspezies“ die Verbindung zwischen den Frühkolonisierern und den stark pathogenen Keimen des Roten Komplexes bilden. Das pathogene Potenzial dieser Markerkeime ist, bedingt durch die Produktion verschiedener Toxine und Enzyme, deutlich erhöht. Die Keime des Orangen Komplexes sind verantwortlich für einen fortschreitenden Attachmentverlust und eine Zunahme der Taschentiefe. Durch ihren Stoffwechsel schaffen diese Bakterien zudem die Lebensgrundlage für die strikt anaeroben Keime des Roten Komplexes und deren Besiedlung des Sulkus.

Bakterienkomplexe

Climax community

Das Auftreten der Keime des Roten Komplexes und des Aa-Komplexes ist charakteristisch für die finale Kolonisierungsphase, an deren Ende die Ausbildung einer strukturierten, stabilen bakteriellen Gemeinschaft (Climax community) steht. Die Besiedelung mit diesen ursächlich für die Zerstörung des Parodonts verantwortlichen Bakterien baut auf der Anwesenheit der oben genannten, weniger pathogenen Spezies auf. Durch die Produktion potenter Virulenzfaktoren treiben die hochpathogenen Markerkeimspezies des Roten Komplexes und des Aa-Komplexes die Destruktion des Weich- und Knochengewebes massiv voran. Ihre Fähigkeit in das Gewebe einzudringen, erschwert zudem die Therapie, sodass eine mechanische Instrumentierung alleine oft nicht ausreicht.