Genetische Prädisposition beeinflusst Krankheitsverlauf

Das Verhältnis von Interleukin-1 und seinem Antagonisten bestimmt die individuelle Immunreaktion auf die Bakterieninfektion im Parodont. Das empfindliche Gleichgewicht ist genetisch festgelegt und prägt so die Entzündungsreaktion entscheidend.

Immunantwort wird durch Interleukin-1 getriggert

Kommen die Zellen des Saumepithels, insbesondere Makrophagen, in Kontakt mit Antigenen, wie z.B. mit Bestandteilen der Zellwand von parodontopathogenen Bakterien, führt dies u.a. zu einer verstärkten Freisetzung von Interleukinen. Diese triggern die Entzündungs- und Immunreaktion und sind damit an der Bekämpfung von bakteriellen Erregern beteiligt. Auch bei der Regulation des Knochengleichgewichtes spielt Interleukin-1 (IL-1) eine wichtige Rolle. Es fördert den Knochenabbau, indem es die Differenzierung von Vorläuferzellen zu Osteoklasten induziert und gleichzeitig die Osteoblasten hemmt.

Zusammenspiel von Interleukin-1 und Rezeptorantagonist

Wird IL-1 ausgeschüttet, bindet es an seinen auf der Oberfläche verschiedener Zielzellen präsentierten Rezeptor. Diese spezifische Bindung führt zu einer Aktivierung, die weitere Entzündungs- und Abwehrreaktionen initiiert. Der natürliche Gegenspieler des IL-1 ist der sogenannte IL-1-Rezeptorantagonist (IL-1RN). Dieser bindet an denselben Rezeptor, aktiviert ihn allerdings nicht, sondern blockiert ihn. Bei Abklingen des Reizes bewirkt IL-1RN so einen sukzessiven Abfall der Immun- und Entzündungsreaktionen. Ist das Wechselspiel zwischen IL-1 und IL-1RN aufgrund genetisch bedingter Veränderungen beeinträchtigt, neigt der betroffene Patient zu verstärkten Entzündungsreaktionen auf äußere Reize hin.

Polymorphismus im Gen des Interleukin-1-Rezeptorantagonisten

Liegt eine Veränderung im Gen des IL-1-Rezeptorantagonisten vor, kann die Bindung von IL-1 an den IL-1-Rezeptor nicht mehr hinreichend blockiert werden. Dies führt zu einer abgeschwächten Hemmung entzündlicher Prozesse, da die Weiterleitung des Entzündungssignals nicht beendet wird.

Kombination der Polymorphismen

Treten Überproduktion von IL-1 durch Veränderungen in den IL-1A- und IL-1B-Genen und eine abgeschwächte Hemmung der Entzündung aufgrund der Veränderung im IL-1RN-Gen gleichzeitig auf, ist eine stark erhöhte Entzündungsneigung beim Patienten die Folge. Das übermäßige Vorhandensein von IL-1 kann durch die geringen IL-1RN-Konzentrationen nicht kompensiert werden und die entzündliche Wirkung des IL-1 wird noch zusätzlich verstärkt. Solche Patienten reagieren daher äußerst empfindlich auf parodontopathogene Bakterien und andere äußere Reize. Sie haben ein erhöhtes Risiko für einen frühen Krankheitsbeginn und einen schwerwiegenden Verlauf.