Antibiotika: Wann und in welchen Fällen?

Eine Antibiotikatablette wird eingenommen

Gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften sollte der unterstützende Einsatz von Antibiotika im Rahmen einer Parodontitistherapie auf folgende Indikationen beschränkt sein:

  • aggressive, rasch verlaufende Parodontitisformen
  • therapieresistente Parodontitis
  • schwere chronische Parodontitis
  • mittelschwere bis schwere Parodontitiden bei systemischen Erkrankungen oder Zuständen, die die Funktion des Immunsystems beeinträchtigen
  • periimplantäre Infektionen

Dabei ist zu beachten, dass das Vorkommen parodontopathogener Bakterien bei Patienten individuell unterschiedlich und die Wirksamkeit von Antibiotika auf bestimmte Bakteriengruppen eingeschränkt ist. Deshalb fordert die DGZMK , dass „zur Auswahl eines geeigneten Antibiotikums die vorliegende parodontale Infektion durch eine mikrobiologische Analyse der subgingivalen Plaque bestimmt werden“ soll.

Wirkung von Antibiotika auf Biofilm ist eingeschränkt

Orale Bakterien sind in einem Biofilm organisiert und durch diesen geschützt. Die Matrix des Biofilms stellt einerseits eine physikalische Barriere dar, die das Antibiotikum nur schlecht durchdringen kann. Andererseits befinden sich Bakterien im Biofilm häufig in einem „Ruhemodus“. In diesem Zustand ist die Wirkung von Antibiotika auf die Zellen stark reduziert. Eine Applikation von Antibiotika ohne zeitgleiches subgingivales Scaling ist daher nicht zielführend.

Optimaler Zeitpunkt für Antibiose

Um eine optimale Wirkung der Medikamente zu erzielen, empfiehlt die DGZMK, dass „die Antibiotika nach Desintegration des Biofilms, d.h. direkt nach Abschluss des supra- und subgingivalen Debridements verabreicht werden.“ Dabei ist zu beachten, dass die ausschließliche Reinigung supragingivaler Bereiche im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung nicht ausreicht.

Rekolonisation vermeiden

Bakterien haben eine kurze Generationszeit, das heißt sie vermehren sich schnell. Um eine Rekolonisation bereits gereinigter Bereiche zu vermeiden, sollte die instrumentelle Behandlung möglichst in einer Sitzung, alternativ an 2 aufeinanderfolgenden Tagen erfolgen.