Systemische vs. lokale Applikation von Antibiotika

Bei der Antibiotikatherapie ist nicht nur der Wirkstoff entscheidend, sondern auch die Applikationsform. Bei einer generalisierten Parodontitis bietet sich die systemische Verabreichung an, wohingegen bspw. einzelne Resttaschen auch lokal behandelt werden können.

Systemische Antibiotikatherapie

Ein wesentlicher Vorteil systemischer Antibiotikagaben liegt darin, dass der Wirkstoff alle parodontalen Taschen und andere von den Bakterien besiedelte orale Nischen erreicht. Die systemische Applikation ist daher insbesondere für generalisierte Parodontalerkrankungen geeignet, bei denen viele oder alle Zähne betroffen sind. Zu den Nachteilen systemischer Antibiotikagaben gehören mögliche Nebenwirkungen, die von leichten Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu allergischen Reaktionen reichen können. Die allgemeinen Kontraindikationen für Antibiotika und deren Interaktionen mit anderen Medikamenten sind immer zu beachten! Mehr dazu finden Sie in der Übersicht der empfohlenen Wirkstoffe für die Parodontitis-Therapie. Auch die Zunahme von Antibiotikaresistenzen und die Verbreitung multiresistenter Bakterien sollten durch einen kontrollierten, diagnostisch abgesicherten und rationalen Einsatz minimiert werden.

Lokale Antibiotikatherapie

Verglichen mit systemischen Präparaten haben Lokalantibiotika meist geringere Nebenwirkungen und ermöglichen eine Compliance-unabhängige Dosierung des Medikamentes. Darüber hinaus lassen sich am Ort des Bedarfes wesentlich höhere Wirkstoffkonzentrationen erzielen. Als Nachteile gelten die deutlich aufwändigere Applikation, höhere Kosten und die mangelnde Wirksamkeit gegenüber Keimen, die sich außerhalb des Sulkus befinden. In der Praxis empfiehlt sich die Anwendung von Lokalantibiotika daher insbesondere für die Therapie isolierter Defekte sowie refraktärer Resttaschen nach positiver Keimanalyse.

Beispiel für lokales Antibiotikum: Ligosan® Slow Release (Hersteller: Kulzer)

  • Lokalantibiotikum für die adjuvante Therapie chronischer und aggressiver Parodontitis zur Ergänzung der konventionellen, nicht-chirurgischen Standardtherapie ab einer Taschentiefe von > 5mm
  • 14%-iges Doxycyclin wird nach einmaliger Applikation aus einer biologisch abbaubaren Hydrogel-Matrix über mindestens 12 Tage kontinuierlich freigesetzt
  • erfasst die relevanten parodontopathogenen Bakterien bei zusätzlicher anti-inflammatorischer Wirkung