Antibiotische Wirkstoffe in der Parodontitis-Therapie

Systemisch applizierte Antibiotika erreichen neben den parodontalen Taschen auch andere bakterielle Nischen der Mundhöhle. Insbesondere bei generalisierten Parodontitiden ist daher die systemische Gabe von Antibiotika nach den Empfehlungen der DG PARO indiziert.

Amoxicillin

Wirkstoffgruppe: β-Lactame

Wirkmechanismus: Hemmung der Quervernetzung der Peptidoglykane in der Bakterienzellwand. Bakterizid.

Kontraindikation: Absolut: Bei erwiesener Penicillin-Überempfindlichkeit, Vorsicht im Hinblick auf mögliche Kreuzallergie mit anderen β-Lactam-Antibiotika. Relativ: bei Patienten mit infektiöser Mononukleose und bei Patienten mit lymphatischer Leukämie (Exanthemrisiko erhöht).

Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit Herzglykosiden, Gichtmitteln sowie einigen Antikoagulantien. Die Wirkung oraler Kontrazeptiva kann abgeschwächt werden.

Nebenwirkungen: Leichte gastrointestinale Störungen, Hautreaktionen (Rash, Urtikaria), schwerwiegende allergische Reaktionen (Arzneimittelfieber, Asthma, anaphylaktischer Schock).

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Der Wirkstoff erfasst prinzipiell alle Parodontitisbakterien. Da Anaerobier allerdings häufig β-Lactamasen bilden, ist der alleinige Einsatz von Amoxicillin unsicher.

Clindamycin

Wirkstoffgruppe: Lincosamide

Wirkmechanismus: Bindet am Ribosom und blockiert die bakterielle Proteinsynthese. Bakteriostatisch.

Kontraindikation: Absolut: Überempfindlichkeit gegenüber Clindamycin und Lincomycin, Säuglinge unter 1 Monat (Stoffwechselunreife). Relativ: allergische Diathese (Asthma), Schwangerschaft, Leber- und Nierenschäden, Störungen der neuromuskulären Übertragung (Myasthenia gravis, Parkinson-Krankheit) sowie Magen-Darm-Erkrankungen in der Anamnese (z.B. M. Crohn, C. ulcerosa).

Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit Muskelrelaxantien und oralen Kontrazeptiva.

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Störungen (Diarrhoe, Erbrechen, Übelkeit) Selten: Exantheme, Transaminasenanstieg, Leukozytopenie, Antibiotika-assoziierte Colitis durch Clostridium difficile (= pseudomembranöse Enterokolitis).

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Alternativpräparat zu Metronidazol. Mittel der Wahl bei Nachweis von Parvimonas micra.

Metronidazol

Wirkstoffgruppe: Nitroimidazole

Wirkmechanismus: Verursacht Strangbrüche in der bakteriellen DNA und hemmt dadurch die Nukleinsäuresynthese. Bakterizid.

Kontraindikation: ZNS-Erkrankungen, Schwangerschaft, Überempfindlichkeit, Stillperiode, schwere Leberschäden, Kinder unter 6 Jahren.

Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit oralen Antikoagulantien vom Warfarin-Typ, Lithiumpräparaten, Disulfiram, Barbituraten, Phenytoin, Cimetidin.

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Störungen, Kopfschmerz, periphere Neuropathie, metallischer Geschmack, zentralnervöse Störungen, reversible Neutropenie, Urinverfärbung, Alkoholunverträglichkeit.

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Mittel der Wahl bei Nachweis von Keimen des Roten, Orangen und Orange-assoziierten Komplexes.

Clarithromycin

Wirkstoffgruppe: Makrolide

Wirkmechanismus: Blockade der Proteinsynthese durch Hemmung der Translokation am bakteriellen Ribosom. Bakteriostatisch.

Kontraindikation: Stark eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion, Überempfindlichkeit gegen Clarithromycin, Schwangerschaft und Stillzeit.

Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit Terfenadin, Digoxin oder Astemizol (Herzrhythmusstörungen), Ergotamin, Ciclosporin

Nebenwirkungen: Magenentleerend, Durchfälle, Hautexanthem, intrahepatische Cholestase, Leberfunktionsstörungen, Torsade de pointes-Arrhythmie, Ototoxizität.

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Mittel der Wahl bei isoliertem Vorkommen von Keimen des Orange-assoziierten Komplexes.

Ciprofloxacin

Wirkstoffgruppe: Fluorchinolone

Wirkmechanismus: Interaktion mit bakteriellen Topoisomerasen und somit Hemmung DNA-Synthese-Leistung. Bakterizid.

Kontraindikation: Kinder und Jugendliche in der Wachstumsperiode, Schwangerschaft, Stillzeit, Epilepsie. Vorsichtsmaßnahmen: für ausreichend Flüssigkeitszufuhr sorgen.

Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit Tizanidin, Probenecid, Phenytoin, Methotrexat, Theophyllin, Makrolidantibiotika, oralen Antikoagulantien. Verminderte Aufnahme durch Antazida und Kalzium-haltige Lebensmittel. Die Wirkung oraler Kontrazeptiva kann abgeschwächt werden.

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Reaktionen, zentralnervöse Störungen (Krampfanfälle, psychotische Zustände, Vigilitätsstörungen, Geschmacksstörungen), Exanthem, Kreislaufstörungen, Phototoxizität, Achillessehnenabriss.

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Alternative bei Vorliegen einer Penicillin-Unverträglichkeit

Doxycyclin

Wirkstoffgruppe: Tetracycline

Wirkmechanismus: Blockierung der Proteinsynthese durch Bindung am 30S-Ribosom. Bakteriostatisch.

Kontraindikation: Schwangerschaft, Stillperiode, Kinder, Myasthenia gravis (gilt nur für i.v.-Präparate, die Magnesium enthalten), Allergie.

Wechselwirkungen: Doxycyclin kann die Wirkung von Sulfonylharnstoffderivaten (orale Antidiabetika) und Antikoagulantien vom Dicumarol-Typ verstärken. Die Resorption von Doxycyclin kann durch 2- oder 3-wertige Kationen wie Aluminium, Calcium (Milch, Milchprodukte, Fruchtsäfte) beeinträchtigt werden. Die Wirkung oraler Kontrazeptiva kann abgeschwächt werden.

Nebenwirkungen: Irreversible Verfärbung der Zähne, Einlagerung in Knochen, Phototoxizität, selten Magen-Darm-Störungen, kranielle Drucksteigerung, Herzrhythmusstörungen (bei zu schneller i.v.-Verabreichung), Hepatotoxizität.

Anwendung im Rahmen der Parodontitistherapie: Erfasst alle relevanten parodontopathogenen Markerkeime. Findet v.a. als Alternativpräparat oder als Lokalantibiotikum Verwendung.

Um die für eine nachhaltige Keimreduktion erforderlichen Wirkstoffkonzentrationen in der Sulkusflüssigkeit zu gewährleisten, ist auf eine ausreichende Dosierung und Einnahmedauer zu achten.

Bitte beachten Sie: Diese Übersicht ist eine Zusammenfassung. Die enthaltenen Informationen sollten nicht alleinige Quelle gesundheitsbezogener Entscheidungen sein.