Parodontitis kann Schwangerschaftskomplikationen auslösen

Plant eine Frau eine Schwangerschaft, sollte sie vorbeugend ihren PA-Status überprüfen und während der Schwangerschaft engmaschig beobachten lassen. Denn die Parodontitisbakterien können zum Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen beitragen.

Arzt steht neben einem Brutkasten

Klinische und epidemiologische Studien zeigen, dass parodontal erkrankte Frauen ein höheres Risiko für

  • untergewichtige Kinder (weniger als 2,5 kg),
  • Früh-, Fehl- oder Totgeburten und
  • Präeklampsie haben können.

Für diese Zusammenhänge werden parodontopathogene Bakterien, deren Toxine und der durch sie hervorgerufene chronische, systemische Entzündungszustand verantwortlich gemacht.

Orale Bakterien gelangen zum Uterus

Bei einer unbehandelten Parodontitis treten die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte in die Blutbahn über und gelangen so auch zum Uterus. Dort können sie in die fetoplazentare Einheit eindringen. Einerseits kann diese Infektion durch die Aktivität bakterieller Kollagenasen zu einer vorzeitigen Ruptur der Fruchtblase führen. Andererseits lösen die Bakterien eine systemische und lokale Immunantwort aus, die zu einer gesteigerten Bildung von Interleukin-1ß, TNF-α und Prostaglandin-E2 führt. Diese Botenstoffe haben nicht nur eine inflammatorische Funktion, sondern sind auch am Verlauf der Schwangerschaft, der Wehentätigkeit und dem Geburtsablauf beteiligt. Zusätzlich dazu können auch die bei einer manifesten Parodontitis im Blut frei zirkulierenden Entzündungsmediatoren für sich alleine Kontraktionen der Uterusmuskulatur und somit Frühgeburten auslösen.

Parodontitistherapie vermindert Frühgeburtsrisiko

Schwangere Frauen leiden aufgrund der hormonellen Umstellung überdurchschnittlich häufig an parodontalen Problemen. Damit geht ein erhöhtes Risiko für den Fötus einher. Wissenschaftlichen Studien zufolge kann eine erfolgreiche parodontale Sanierung das Risiko für Frühgeburten um das 3,8-fache senken. Eine Parodontitis-Therapie ist für Schwangere also doppelt wichtig: Einerseits verhindert die Behandlung Zahnverlust, anderseits wird das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen vermindert. Idealerweise unterziehen sich bereits Frauen mit Kinderwunsch einer parodontalen Behandlung, um der Erkrankung vorzubeugen. Während der Schwangerschaft ist der empfohlene Zeitpunkt für eine Parodontitis-Therapie das 2. Trimenon, wobei Röntgendiagnostik aber nur in Einzelfällen angewendet werden sollte.