Parodontitis und rheumatoide Arthritis hängen zusammen

Parodontitis und rheumatoide Arthritis haben nicht nur gemeinsame Risikofaktoren, sondern beeinflussen sich durch gesteigerte Entzündungsprozesse gegenseitig.

Mann massiert schmerzende Hände

Die klinischen Gemeinsamkeiten von Parodontitis und rheumatoider Arthritis (RA) sind deutlich: Beide Erkrankungen zeichnen sich durch chronisch entzündliche Veränderungen und nachfolgende Gewebedestruktion aus. Bei der rheumatoiden Arthritis tritt infolge einer überschießenden Immunreaktion durch hochregulierte proinflammatorische Zytokine zunächst eine Entzündung der Synovialmembran und schließlich eine Gewebedegeneration auf. Auch wenn die Ätiologie der rheumatoiden Arthritis nach wie vor unklar ist, gelten ähnliche Risikofaktoren wie bei der Parodontitis als auslösende oder fördernde Faktoren der Erkrankung:

Untersuchungen zeigen, dass die rheumatoide Arthritis bei Parodontitispatienten mit erhöhter Prävalenz auftritt. Andererseits leiden Patienten mit rheumatoider Arthritis auch etwa 8-mal häufiger zusätzlich an einer Parodontitis.

Parodontitis fördert rheumatoide Arthritis

Verschiedene Studien zeigen, dass Parodontitisbakterien in Sulkusflüssigkeit, Serum und Synovialflüssigkeit von Rheumapatienten signifikant häufiger nachweisbar sind als bei gesunden Personen. Die Anwesenheit parodontopathogener Bakterien führt darüber hinaus zu einer gesteigerten Produktion von Entzündungsmediatoren wie z.B. Interleukin-1. Dieses verursacht eine Verschiebung des Knochengleichgewichtes in Richtung kataboler Prozesse. Dadurch wird nicht nur die fortschreitende Zerstörung des Zahnhalteapparates, sondern auch die Degeneration der Gelenke bei Rheumapatienten vorangetrieben.

P. gingivalis citrulliniert Proteine

Manche Parodontitisbakterien sind besonders aggressiv. P. gingivalis (Pg) ist unter anderem hauptverantwortlich für die Destruktion des Parodonts. Zudem bildet Pg ein Enzym, das die Aminosäure Arginin in Citrullin umwandelt und damit die räumliche Struktur von Proteinen verändert. Dadurch werden diese vom Immunsystem nicht mehr als körpereigen erkannt und eine Autoimmunreaktion wird ausgelöst. Somit befeuert Pg zusätzlich die autoimmune Reaktion des Immunsystems und kann damit die rheumatoide Arthritis weiter fördern.