Parodontitis und koronare Herzerkrankungen hängen zusammen

Eine unbehandelte Parodontitis erhöht das Risiko für koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall deutlich. Daher gilt es umso mehr, die Parodontitis rechtzeitig zu therapieren, um schwerwiegende Begleiterkrankungen zu vermeiden.

Aufzeichnung eines EKG und ein Stethoskop

Der Zusammenhang von koronaren Herzerkrankungen (KHK) und Parodontitis wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt. So erhöht eine manifeste parodontale Erkrankung das Risiko für KHK um das 1,15-fache und für einen Schlaganfall um das 4,3-fache. Dabei scheinen die parodontopathogenen Markerkeime eine zentrale Rolle zu spielen: In Subgingivalproben von Patienten mit akutem Myokardinfarkt zeigten sich, im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen, deutlich höhere Prävalenzen von A. actinomycetemcomitans und Bakterien des Roten Komplexes. Auch in arteriosklerotischer Plaque von KHK-Patienten konnte DNA von Parodontitisbakterien in signifikant höherer Menge nachgewiesen werden.

Vorgänge an den Arterienwänden

Bei einer Arteriosklerose treten kleine, fleckenförmige Veränderungen der Blutgefäße auf, die man als Plaque bezeichnet. Sie entstehen durch eine chronische Entzündung der Gefäßwände, deren Ursache noch nicht vollständig geklärt ist. Sicher ist, dass im Verlauf der Plaquebildung im Endothel Makrophagen in Schaumzellen umgewandelt werden, die sogenannte „fatty streaks“ entstehen lassen. Durch Akkumulation von fibrösem Gewebe verdickt sich die Plaque zunehmend. Es kommt zu einer Verengung der Gefäße und somit zu einer Störung des Blutflusses.

Tritt dies in den Koronararterien auf, kommt es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur und damit zu einer Ischämie. Darüber hinaus können Thromben entstehen, wenn die Plaque nach Ruptur der inneren Gefäßwand in den Blutkreislauf geschwemmt wird. Dies kann zu lebensgefährlichen Komplikationen wie Myokardinfarkten oder Schlaganfällen führen.

Parodontitis verstärkt diese Vorgänge

Bei Parodontitispatienten stimulieren die in den Blutkreislauf disseminierten Bakterien sowie die von ihnen produzierten Toxine die Immunreaktion. Dies erhöht wiederrum die Freisetzung von Entzündungsmediatoren und verstärkt damit die Akkumulation von Plaque in den Arterienwänden. Diese Zusammenhänge legen nahe, dass eine erfolgreich therapierte Parodontitis sich auch auf das Fortschreiten der Arteriosklerose positiv auswirkt. Der Zahnarzt trägt demnach über die orale Gesundheit hinaus auch Verantwortung für die Allgemeingesundheit.