Parodontitis und Diabetes mellitus bedingen sich gegenseitig

Parodontitis und Diabetes stehen in engem Zusammenhang. Daher rufen auch die jeweiligen Fachgesellschaften dazu auf, ein besonderes Augenmerk darauf zu legen und fordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Eine Frau setzt sich eine Insulininjektion in die Bauchfalte

Die beiden systemischen Krankheiten Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig negativ: Diabetespatienten haben ein 3-fach erhöhtes Risiko eine Parodontitis zu entwickeln. Umgekehrt führt eine manifeste Parodontitis u.a. zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und hat somit direkten Einfluss auf die glykämische Kontrolle. Deshalb sollte, neben der Behandlung des Diabetes, auch die zahnmedizinische Therapie in den Fokus gerückt werden. Denn diese hat bei Diabetikern auch einen positiven Effekt auf den Langzeitblutzucker: Eine Parodontitis-Therapie kann den HbA1c-Wert um 0,4 bis 0,8 % senken.

Einerseits: Parodontitis beeinflusst Diabetes

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge werden parodontale Markerkeime in Subgingivalproben von Diabetikern signifikant häufiger nachgewiesen. Die Parodontitisbakterien lösen die Ausschüttung von Zytokinen und anderen Entzündungsmediatoren aus. Diese schwächen die bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ohnehin reduzierte Wirkung des Insulins noch zusätzlich, bewirken dadurch eine verminderte Glukoseaufnahme durch die Zellen und führen somit zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Parodontal erkrankte Diabetiker weisen daher langfristig eine schlechtere glykämische Kontrolle sowie eine höhere Mortalitätsrate infolge von Diabeteskomplikationen auf als parodontal gesunde.

Andererseits: Diabetes begünstigt Parodontitis

Bei Diabetespatienten kommt es bei einer vorliegenden Hyperglykämie zu einer vermehrten Bildung glykosylierter Proteine (AGE = advanced glycation endproducts). Diese interagieren mit Endothelzellen, Fibroblasten und weiteren Immunzellen und bewirken dadurch die Freisetzung von Zytokinen und anderen Entzündungsmediatoren. Der bei Parodontitispatienten ohnehin erhöhte Abbau von Knochen- und Weichgewebe bzw. die gesteigerte Entzündungsreaktion wird dadurch noch weiter verstärkt.

Die schlechte Durchblutung peripherer Gewebe, die bei Diabetikern häufig auftritt, sowie die erhöhten Blutglukosewerte fördern anaerobe bakterielle Infektionen zusätzlich. Das hat zur Folge, dass Prävalenz, Progression und Ausmaß der parodontalen Destruktion bei Patienten mit Diabetes deutlich ausgeprägter sind als bei gesunden Personen. Dies trifft aber hauptsächlich auf Diabetiker mit einer schlechten Blutzuckerkontrolle zu. Patienten mit einem gut eingestellten Glukosestoffwechsel haben kein erhöhtes Risiko für eine Parodontitis.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Generell sollte bei Diabetikern darauf geachtet werden, dass die zahnärztliche Behandlung möglichst nicht mit der normalen Nahrungsaufnahme, Insulingabe oder Medikamenteneinnahme kollidiert. Darüber hinaus ist durch die wechselseitige Beeinflussung beider Erkrankungen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit besonders wichtig. Sollten umfangreichere therapeutische Maßnahmen geplant sein, die z.B. die postoperative Nahrungs- und Medikamenteneinnahme beeinträchtigen, ist eine vorherige Absprache mit dem behandelnden Hausarzt bzw. Diabetologen sinnvoll.