Erhöht eine Parodontitis das Risiko für schwere Corona-Verläufe?

Die Coronapandemie hält die Welt in Atem. Obwohl 80% der Patienten nur einen milden Verlauf haben, sind die Auswirkung der Pandemie für die Menschen und das Gesundheitssystem enorm. Denn unter den Patienten mit schweren Verläufen müssen nicht wenige auf die Intensivstation oder gar künstlich beatmet werden. Umso wichtiger ist es, das Risiko für die schweren Verläufe im Vorfeld zu minimieren.

Parodontitistherapie

Bisher ist bekannt, dass eine Reihe von Vorerkrankungen das Risiko für schwere Verläufe einer COVID-19-Infektion erhöhen. Aktuell mehren sich die Hinweise, dass auch die Parodontitis dazu gehört. Als Ursache dafür sind die Parodontitis auslösenden Bakterien zu sehen. Diese besitzen teilweise gewebeschädigende Eigenschaften und können nicht nur den Zahnhalteapparat angreifen, sondern nach Aspiration oder Übertritt in die Blutbahn zu Schädigungen des Lungen- oder Bronchialgewebes führen.

Gleichzeitig reagiert das Immunsystem von PA-Patienten auf die erhöhte Konzentration parodontaler Markerkeime mit einer verstärkten Entzündungsreaktion. Diese beruht unter anderem auf einer gesteigerten Produktion von Zytokinen, insbesondere Interleukin-1 und -6 sowie Tumornekrosefaktor-α. Diese Entzündungsmediatoren haben eine stark proinflammatorische Wirkung, die ebenfalls nicht lokal beschränkt bleibt, sondern sich auch systemisch auswirkt.

Zytokinsturm bei schweren Verläufen

Herold et al. konnte zeigen, dass es bei schweren COVID-19-Verläufen ebenfalls häufig zu einem sehr starken Anstieg von Zytokinen, insbesondere von Interleukin-6, kommt. Dieser sogenannte „Zytokinsturm“ ist unter anderem für das Versagen der Organe verantwortlich. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass der Krankheitsverlauf einer COVID-19-Infektion entscheidend davon abhängt, ob noch andere entzündliche Reaktionen im Körper vorliegen, die die Zytokinausschüttung zusätzlich fördern. Hier kann man vorbeugen!

Die Entzündungsreaktion zu minimieren ist essentiell

Viele Risikofaktoren lassen sich nicht ohne weiteres beheben. Eine Parodontitis wiederum kann therapiert werden. Durch eine erfolgreiche Bakterienreduktion verringert sich automatisch die Entzündungsreaktion und damit auch die systemische Flutung mit Zytokinen. Die Reduktion der parodontalen Markerkeime ist in vielen Fällen bereits durch Scaling und Wurzelglättung möglich. Beim Vorliegen gewebeinvasiver parodontopathogener Bakterien kann aber parallel dazu der unterstützende Einsatz eines systemischen Antibiotikums notwendig sein, um die verantwortlichen Bakterien nachhaltig zu reduzieren.

Die Testsysteme micro-IDent® und micro-IDent®plus weisen die 5 bzw. 11 wichtigsten Parodontitisbakterien nach und helfen zu beurteilen, ob der Einsatz eines Antibiotikums notwendig ist und falls ja, welches. Sie stellen damit eine wichtige Stütze für eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung dar. Und nur eine erfolgreiche Behandlung senkt zuverlässig die systemische Entzündung und damit das Risiko für einen schweren Coronaverlauf.

https://doi.org/10.1101/2020.04.01.20047381
https://doi.org/10.1177/1535370220953771
doi:10.1016/j.mehy.2020.109969
CDA Journal Vol48 N10 P485