Parodontitis: Die Volkskrankheit Zahnfleischentzündung

Die Parodontitis (auch Parodontose genannt) ist eine Zahnfleischerkrankung, an der laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie jeder 2. Erwachsene in Deutschland leidet. Das Tückische an dieser Krankheit: Obwohl sie zu Knochenabbau und Zahnausfall führen kann, bemerkt man sie lange Zeit nicht.

Viele Menschen berichten über gelegentliches Zahnfleischbluten. Manche gehen sogar davon aus, dass das normal ist. Doch das ist es nicht! Wie bei jeder anderen Blutung ist auch das Zahnfleischfleischbluten ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. In diesem Fall ist es ein Symptom für eine Zahnfleischentzündung, eine sog. Parodontitis. Das heißt Bakterien sind in den Spalt zwischen Zähnen und Zahnfleisch eingedrungen und sind dabei Schaden anzurichten.

Bakterien im Ungleichgewicht

Im Mund gibt es über 600 verschiedene Bakterienarten. Viele davon sind nützlich und tragen ihren Teil zur Mundgesundheit bei, einige sind aber auch schädlich. Solange sich diese Bakteriengemeinschaft im Gleichgewicht befindet, reguliert sich ihre Anzahl selbst. Führen aber bestimmte Umstände dazu, dass sich dieses Gleichgewicht zugunsten der schädlichen Bakterien verschiebt, können sich diese immer leichter ausbreiten.

Im Verlauf einer Parodontitis werden Zahnfleischtaschen immer tiefer und der Kieferknochen wird abgebaut.

Parodontitis: Teufelskreis bis zum Zahnverlust

Viele der Parodontitisbakterien mögen keinen Sauerstoff und besiedeln daher gerne Stellen im Mund, an denen die Sauerstoffkonzentration nicht so hoch ist – z.B. im Spalt zwischen Zähnen und Zahnfleisch. Hier geben die Bakterien dann bestimmte Stoffe ab, die sowohl das Zahnfleisch als auch den Kieferknochen angreifen. Zusammen mit der Reaktion des Immunsystems auf die Bakterien führt dies dazu, dass sich der Spalt vertieft und sich sog. Zahnfleischtaschen bilden. Diese bieten ideale Lebensbedingungen für die Parodontitisbakterien. Sie vermehren sich und vertiefen die Zahnfleischtaschen ständig weiter. Ein Teufelskreis entsteht. Wird dieser Prozess nicht aufgehalten, kann das langfristig zu Zahnfleischrückgang und Abbau des Kieferknochens führen.

Wichtig zu wissen: Ab einem gewissen Stadium kann der von den Bakterien verursachte Schaden nicht wieder rückgängig gemacht werden. Handelt man nicht rechtzeitig, können letztendlich Zähne verloren gehen.

Immunreaktion beeinflusst die Krankheit Parodontitis

Die Bakterien sind zwar die Hauptursache der Erkrankung, ihr Verlauf wird aber auch noch von anderen Faktoren beeinflusst. Besonders durch die Reaktion des Immunsystems auf die Eindringlinge kommt es zu Gewebeschädigungen und langfristig zu Knochenabbau. Wie schnell und wie stark das Immunsystem auf die Infektion reagiert, hängt u.a. von 3 Aspekten ab:

  • Von der Art der Bakterien:
    Die verschiedenen Bakterienarten bringen ganz individuelle Eigenschaften mit sich und können das Immunsystem unterschiedlich stark provozieren.
  • Von der Menge der Bakterien:
    Dem Immunsystem fällt es umso leichter die Situation in den Griff zu bekommen, je weniger Parodontitisbakterien vorhanden sind.
  • Von der genetischen Veranlagung des Patienten:
    Das Immunsystem mancher Patienten reagiert überdurchschnittlich stark auf die bakterielle Infektion. Das ist genetisch festgelegt. Deshalb leiden manche Patienten, trotz geringer Anzahl von Parodontitisbakterien, an einer schweren Parodontitis.

Aus dem Mund in den Körper

Die Bakterien sind allerdings nicht auf den Mund beschränkt. Sie können über das entzündete Zahnfleisch auch in den Blutkreislauf gelangen. Damit stellen sie eine Gefahr für den ganzen Körper dar. Beispielsweise lagern sich manche der Parodontitisbakterien an Gefäßwände an und erhöhen das Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weitere mögliche Folgen sind u.a.: Schwangerschaftskomplikationen, rheumatoide Arthritis, chronische Erkrankungen der Atemwege sowie Lungenentzündung. Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich sogar wechselseitig. Daher sollten Diabetes-Patienten ihr Zahnfleisch besonders gewissenhaft überwachen lassen.