Übersicht Antibiotika in der Parodontitistherapie

Im folgenden möchten wir Ihnen einige kurze Informationen rund um die in der Parodontologie verwendeten Antibiotika bieten. Für weiterführende Informationen verweisen wir auf die entsprechenden Informationsquellen wie die Rote Liste oder die Gelbe Liste.

 

 

 

 

 


1. Amoxicillin

Amoxicillin ist ein Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Aminopenicilline und gehört damit zur Wirkstoffgruppe der Beta-Laktam-Antibiotika.

Wirkmechanismus:

Hemmung der Quervernetzung der Bakterienzellwandpeptidoglykane.
   
Wirkspektrum: grampositive Keime (ohne Penicillinasebildner); gute bis mittlere Empfindlichkeit von Enterokokken, Listerien, Campylobacter rectus; gramnegative Erreger (z.B. gramnegative Kokken); unterschiedlich empfindlich sind Haemophilus, E. coli, Salmonellen, Shigellen, Proteus mirabilis; nicht erfasst werden: Pseudomonas, Klebsiellen, Citrobacter, Enterobacter, Bacteroides, etc.
In Kombination mit Clavulansäure ist eine Ausweitung des Wirkungsspektrums auf einen Teil der Beta-Laktamase-bildenden Bakterien möglich (siehe unter Amoxicillin/Clavulansäure).
   
Indikationen: bakterielle Infektionen verschiedenster Intensität, Lokalisation und Verlaufsform mit empfindlichen Erregern (z.B. Sepsis, Meningitis, Infektionen von HNO, Atemwegen, Harn- und Geschlechtsorganen, Gallenwegen, Gastrointestinaltrakt, Haut, Weichteilen).
   
Kontraindikation: Absolut: Bei erwiesener Penicillin-Überempfindlichkeit, Vorsicht im Hinblick auf mögliche Kreuzallergie mit anderen Beta-Laktam-Antibiotika.
Relativ: bei Patienten mit infektiöser Mononukleose und bei Patienten mit lymphatischer Leukämie (Exanthemrisiko erhöht).
   
Nebenwirkungen: leichte gastrointestinale Störungen; Hautreaktionen (Rash, Urtikaria); schwerwiegende allergische Reaktionen (Arzneimittelfieber, Asthma, anaphlyaktischer Schock); pseudomembranöse Enterokolitis; Schmerzen am Injektionsort nach i.m.-Injektion und i.v.-Infusion
   
Präparate / Handelsnamen: Amoxypen, Clamoxyl, Amoxicillin-ratiopharm
   
Allgemeine Beurteilung: Nach oraler Gabe vollständige Resorption, hohe Resistenzrate bei Enterobakterien und Haemophilus influenzae, Kombination mit Beta-Laktamasehemmer bei ungezielter Therapie zu empfehlen.
   

 


 

2. Clindamycin

Clindamycin ist ein Glycosid und Antibiotikum aus der Gruppe der Lincosamide.

Wirkmechanismus:

Clindamycin bindet am Ribosom und blockiert die Proteinsynthese.
   
Wirkspektrum:
  • vorwiegend grampositive aerobe und anaerobe Erreger (Kokken - nicht Enterokokken; Corynebakterien, Propionibakterien, Actinomyces, Clostridien).
  • Empfindlichkeitsschwankungen bei Nocardien, Mykoplasmen, Plasmodien (Malaria), Toxoplasma.
  • Gramnegative Erreger sind resistent, ausgenommen Bacteroidaceae (Bacteroides, Fusobakterium) und Veillonella.
   
Indikationen: Staphylokokken-Infektionen und Infektionen mit anderen empfindlichen grampositiven Kokken als Alternative bei Allergie gegenüber den allgemein risikofreier applizierbaren Beta-Laktam-Antibiotika. Anaerobier-Infektionen, insbesondere durch Bacterioidaceae oder Fusobakterien.
   
Kontraindikation: Absolut: Überempfindlichkeit gegenüber Clindamycin und Lincomycin; Säuglinge unter 1 Monat (Stoffwechselunreife).
Relativ: allergische Diathese (Asthma); Schwangerschaft; Leber- und Nierenschaden.
   
Nebenwirkungen: allergisch:
  • 3 (- < 10) %
  • Hautreaktionen
  • Rash
  • Anaphylaxie
toxisch:
  • 10-20 (- > 30) % überwiegend gastrointestinale Störungen, nicht von Dosis und Zeit abhängig, häufiger im Alter;
  • Diarrhoe 13 (5-20) % - schwere Formen mit Therapieabbruch < 2 %;
  • bei i.m.-Gabe > 15 % Lokalschmerzen,
  • bei i.v.-Injektionen Geschmacksirritation, Thrombophlebitis,
  • bei zu rascher Injektion Kreislaufkollaps, Herzstillstand möglich;
  • leichter Anstieg von Leberenzymwerten, insbesondere SGOT;
  • selten Ikterus, Leukopenie, Muskeltonuserschlaffung
biologisch:
  • Antibiotika-assozierte Colitis durch Clostridium difficile und Colitis-ähnliche Störungen
   
Präparate / Handelsnamen: Clindamycin ABC 300 oder Clindamycin Sandoz 300
   

 



3. Metronidazol

Metronidazol ist der Hauptvertreter der Nitroimidazole, die sich für die Therapie von bakteriellen Infektionen durch Anaerobier oder Infektionen durch Protozoen eignen. 

 

Wirkmechanismus:

Hemmung der Nukleinsäuresynthese.
   
Wirkspektrum:

Anaerobier, einige Protozoen (Trichomonas, Entamoeba histolytica, Giardia), Gardnerella, Campylobacter.

   
Indikationen: Anaerobier-Infektionen (oft Mischinfektionen mit aeroben Bakterien, Abszesse, chirurg. und intraabdominale Infektionen, Infektionen des Beckens), Trichomoniasis, Gardnerella-Vaginitis (bakterielle Vaginose), Amöbenenruhr, Giardiasis, Antibiotika-Assoziierte Kolitis; als Tripel-Therapie bei Helicobacter-Eradikation; in Ergänzung bei Morbus Crohn; bei Rosacea lokal.
   
Kontraindikation: ZNS-Erkrankungen, Blutdyskrasien, Schwangerschaft, Überempfindlichkeit, Stillperiode, schwere Leberschäden.
   
Nebenwirkungen: Allergische und toxische Reaktionen, gastrointestinale Störungen, periphere Neuropathie, metallischer Geschmack, zentralnervöse Störungen, reversible Neutropenie, Urinverfärbung
   
Präparate / Handelsnamen: Deutschland: Clont, Flagyl, Vagimid.
Schweiz: Arilin, Elyzol, Flagyl.
Österreich: Acsacea, Anaerobex, Elyzol, Metronidazol "Arcana", Metronidazol "Genericon", Metronidazol "Nycomed", Metronidazol "Sandoz", Metronidazol "Waldheim", Rozex, Trichex.
   
Allgemeine Beurteilung: Standardsubstanz bei Infektionen durch Anaerobier, Helicobacter, Trichomonaden und Amöben, kein Einsatz in der Schwangerschaft. Gute Gewebegängigkeit.
   

 



4. Clarithromycin

Clarithromycin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Makrolidantibiotika. Verwendung in der Behandlung von Infektionen der Atemwege, des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches, des Magens und der Haut.

 

Wirkmechanismus:

Blockade der Proteinsynthese durch Interaktion am bakteriellen Ribosom.
   
Wirkspektrum:

Staphylokoken, Streptokokken, Pneumokokken, "atypische Erreger": Mykoplasmen, Ureaplasmen, Chlamydien, Legionellen; Listerien, atypische Mykobakterien, Helicobacter pylori, Campylobacter, Bordetella pertussis.

   
Indikationen: Infektionen des Respirationstrakts, insbesondere atypische Pneumonie, Angina, Legionellose; Urethritis durch Chlamydien und Ureaplasmen, Erysipel, Tripeltherapie bei Helicobacter-Eradikation, Keuchhusten, Konjunktivitis, Akne, Erythrasma, Rosacea, Infektionen durch atyp. Mykobakterien.
   
Kontraindikation: Lebererkrankungen, Überempfindlichkeit, Schwangerschaft.
Vorsichtsmaßnahmen: nicht gleichzeitig mit Terfenadin oder Astemizol geben: Torsade de pointes-Arrythmie; cave bei Antiarrhytmika.
   
Nebenwirkungen: Magenentleerend, Durchfälle, Hautexanthem, intrahepatische Cholestase, Leberfunktionsstörungen, Phlebitis bei i.v.-Gabe, Torsade de pointes-arrythmie, Ototoxizität.
   
Präparate / Handelsnamen: Deutschland: Biaxin, Cyllind, Klacid, Mavid.
Schweiz: Klacid, Klaciped.
Österreich: Clarithromycin "Arcana", Clarithromycin "Interpharm", Clarithromycin "ratiopharm", Clarithromycin "Sandoz", Clarithromycin "Stada", Klacid, Maclar.
   
Allgemeine Beurteilung: Standardmakrolid, auf Grund von guter Verträglichkeit und Resorption dem Erythromycin weit überlegen.
   

 



5. Ciprofloxacin

Ciprofloxacin ist ein Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum aus der Gruppe der Fluorchinolone.

 

Wirkmechanismus:

Hemmung der ATP-abhängigen und DNS-Gyrase-katalysierten DNS-Verschraubungsreaktion.
   
Wirkspektrum:

Breites antibakterielles Wirkspektrum; vor allem gegen gramnegative Bakterien (Enterobakterien) und Chlamydien.

   
Indikationen: Harnwegsinfekte, urogenitale Infektionen, akute Gastroenteritiden, Atemwegsinfekte.
   
Kontraindikation: Kinder und Jugendliche in der Wachstumsperiode, Schwangerschaft, Stillzeit, Epilepsie.
Vorsichtsmaßnahmen: für ausreichend Flüssigkeitzufuhr sorgen.
   
Nebenwirkungen: Gastrointestinale Reaktionen, zentralnervöse Störungen (Krampfanfälle, psychotische Zustände, Vigilitätsstörungen, Geschmacksstörungen), Exanthem, Kreislaufstörungen, Phototoxizität, Achillessehnenabriss.
   
Präparate / Handelsnamen: Deutschland: Ciprobay.
Schweiz: Ciloxan, Ciproxin, Ciproxin HC.
Österreich: Ciflox, Ciloxan, Ciprofloxacin "1a Pharma", Ciprofloxacin "Arcana", Ciprofloxacin "Genericon", Ciprofloxacin "Hexal", Ciprofloxacin "Interpharm", Ciprofloxacin "Pharma&Co", Ciprofloxacin "ratiopharm", Ciprofloxacin "Sandoz", CiproMed, Ciprostad, Ciproxin, Otanol.
   
Allgemeine Beurteilung: Standardpräparat der Fluoroquinolone für intestinale/abdominelle Infektionen, vielseitig verwendbar.
   

 



6. Doxycyclin

Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Klasse der Tetracycline mit einem breiten Wirkspektrum insbesondere gegen grampositive, gramnegative und zellwandlose Bakterien.

 

Wirkmechanismus:

Blockierung der Proteinsynthese durch Bindung am 30S-Ribosom.
   
Wirkspektrum:

Mykoplasmen, Chlamydien, Treponemen, Borrelien, Leptospiren, Rickettsien, Coxiella, Brucella, Yersinia, Francisella, Bartonella, Ehrlichia, Vibrionen, Aktinomyceten, Pasteurella, Burholderia psuedomallei, Hämpophilus ducrey und andere seltene Erreger; Plasmodium falciparum.

   
Indikationen: Community Aquired Pneumonia, unsepzifische Urethritis, urogenitale Infektionen, Borreliose, Lues, Tularämie, andere Infektionen durch empfindliche Erreger, Akne, Chloroquin-resistente Malaria (auch als Prophylaxe).
   
Kontraindikation: Schwangerschaft, Stillperiode, Kinder, Myasthenia gravis (gilt nur für i.v.-Präparate, die Magnesium enthalten), Allergie.
Vorsichtsmaßnahmen: orale Applikation mit Flüssigkeit, bei digialisierten Patienten Infusion langsam verabreichen, keine Pharmaka mit 2- und 3- wertigen Kationen gleichzeitig einnehmen.
   
Nebenwirkungen: Verfärbung der Zähne (irreversibel), Einlagerung in Knochen, Phototoxizität, selten Magen-Darm-Störungen, kranielle Drucksteigerung, Herzrhythmusstörungen (bei zu schneller i.v.-Verabreichung), Hepatotoxizität.
   
Präparate / Handelsnamen: Deutschland: Supracyclin, Vibramycin, Vibravenös
Schweiz: Supracyclin, Vibramycin, Vibravenös
Österreich: Doxybene, Doxycyclin "Genericon", Doxyderm, Doxydyn, Doxyhexal, Doxystad, Periostat, Supracyclin, Vibramycin, Vibravenös
   
Allgemeine Beurteilung: Breitspektrumantibiotikum, geeignet zur Therapie von Atemwegsinfektionen und bei Infektionen durch intrazelluläre Erreger.
   

 



7. Tetracyclin

Tetracyclin gehört zur gleichnamigen Gruppe der Tetracycline, und ist ein Breitbandantibiotikum, das gegen viele bakterielle Infektionen Verwendung findet.

 

Wirkmechanismus:

Blockierung der Proteinsynthese durch Bindung am 30S-Ribosom.
   
Wirkspektrum:

Mykoplasmen, Chlamydien, Treponemen, Borrelien, Leptospiren, Rickettsien, Coxiella, Brucella, Yersinia, Francisella, Bartonella, Ehrlichia, Vibrionen, Aktinomyceten, Pasteurella, Burholderia psuedomallei, Hämpophilus ducrey und andere seltene Erreger; Plasmodium falciparum.
 

   
Indikationen: Infektionen der Scheide.
   
Kontraindikation: Überempfindlichkeit gegen Präparatbestandteile.
   
Nebenwirkungen:

Allergische Reaktionen möglich.

   
Präparate / Handelsnamen:

Deutschland: Achromycin, Supramycin, Tefilin
Schweiz: Triphacyclin
Österreich: Fluorex Plus, Mysteclin

   
Allgemeine Beurteilung: Ältere Substanz, ersetzt durch Doxycyclin und Minocyclin.
   

Quelle der Informationen auf dieser Seite: Infektionsnetz Österreich