Mundspüllösungen in der Parodontologie

Die Anwendung antiseptischer Mundspül-Lösungen ist bei der Therapie von Parodontalerkrankungen in verschiedener Hinsicht von Vorteil:

  1. als begleitende Maßnahme bei der täglichen Mundhygiene mit der Zahnbürste zur Prävention und Vermeidung parodontaler Erkrankungen
  2. zur Unterstützung der Keimreduktion und zur Prävention der Rekolonisation aller oralen Schleimhäute, die parodontopathogene Bakterien beherbergen können.

Hierzu werden zahlreiche Mundspüllösungen mit unterschiedlichen Wirkstoffen im Handel angeboten. So unterschiedlich die Hauptwirkstoffe der verschiedenen Lösungen auch sind, so ist ihnen allen doch eines gemeinsam: zur dauerhaften Anwendung sind Mundspül-Lösungen aufgrund verschiedener Nebenwirkungen nicht zu empfehlen. Für einen abgegrenzten Zeitraum hingegen unterstützen sie die häusliche Mundhygiene bei der Behandlung von Parodontitis und Periimplantitis.

Wirkstoffe in Mundspül-Lösungen

Chlorhexidin
Chlorhexidin (CHX) ist eine kationische Substanz und wirkt als solche auf unterschiedliche Weise:

  • in hohen Konzentrationen greift Chlorhexidin die bakterielle Zellwand an und hat so eine bakterizide Wirkung.
  • darüber hinaus bindet der Wirkstoff spezifisch an Speichelmucine auf der bakteriellen Zellmembran und verhindert so eine weitere Plaquebildung.
  • CHX besitzt eine sehr hohe Substantivität und gilt als der Wirkstoff mit der größten Belagshemmung, was in zahlreichen Studien belegt wurde.
  • Chlorhexidin hat eine breite antimikrobielle Wirkung gegenüber Bakterien, Hefen, Dermatophyten und bestimmten Viren, die bis zu 12 Stunden nach der Anwendung anhält.
  • Aufgrund verschiedener Nebenwirkungen wie Geschmacksbeeinträchtigungen oder einer vorübergehenden Verfärbung der Zähne und Zunge eignet sich CHX nicht zur Langzeitanwendung.
  • Die Wirkung von Chlorhexidin wird durch das in vielen Zahnpasten enthaltene Tensid Natriumlaurylsulfat verringert. Daher wird empfohlen, bei Verwendung solcher Zahnpasten erst eine halbe Stunde nach dem Zähneputzen mit CHX-Lösung zu spülen.
  • Dosierungsempfehlung: 0,1 – 0,2%ige CHX-Lösung 2 x Pro Tag (10 -15 ml) über 14 bis maximal 30 Tage.

Ätherische Öle
Mundspül-Lösungen auf Basis ätherischer Öle töten Mikroorganismen ab, indem sie deren Zellwände zerstören und ihre Enzymaktivität hemmen. Der hydrophobe Charakter der Öle verhindert zudem die Bakterienaggregation und wirkt so einer Plaqueakkumulation effizient entgegen.

  • Listerine® ist eine Mundspüllösung aus verschiedenen ätherische Ölen in 20%-iger Alkohol-Lösung. Nach Angaben des Herstellers Johnson & Johnson (Willich) ist Listerine® im Gegensatz zu anderen Mundspül-Lösungen aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften auch in der Lage, den bakteriellen Biofilm zu durchdringen und mehr als 75% der Plaque-Bakterien zu zerstören.
  • Aufgrund des hohen Alkohol-Gehaltes, der erforderlich ist, um die ätherischen Ölen in Lösung zu bringen, besitzt Listerine® eine gewisse geschmackliche Schärfe, die von Patienten anfangs zum Teil als gewöhnungsbedürftig empfunden wird.
  • Der Einsatz von Alkohol in Mundspül-Lösungen wird in der Zahnärzteschaft kontrovers diskutiert.
  • Dosierungsempfehlung: 20 ml Listerine® 2x täglich nach dem Zähneputzen für 30 sec. Nach Angaben des Herstellers ist Listerine® auch für die Langzeitanwendung geeignet.

Fluoride
Aminfluorid und Zinnfluorid wirken antibakteriell und entzündungshemmend (z.B. meridol® Mundspüllösung, Gaba GmbH).

  • Zinnfluorid hat eine deutliche Plaque-reduzierende Wirkung, ist in Lösung jedoch wenig stabil und kann Zahnverfärbungen zur Folge haben. Daher konnte sich Zinnfluorid nicht als Einzelwirkstoff durchsetzten.
  • Aminfluorid hat wenig Wirkung auf die Plaque, zeigt jedoch positive Effekte auf gingivale Entzündungen und dient dem Zinnfluorid als Stabilisator.
  • Aus diesem Grund werden beide Fluoride in Mundspüllösungen häufig kombiniert. Als unerwünschte Nebenwirkungen gelten Metallgeschmack, Gefühl der Trockenheit sowie gelb-bräunliche Verfärbungen der Zunge und Zähne. Eine Beschränkung hinsichtlich der Anwendungsdauer besteht laut Hersteller nicht.

Quarternäre Ammoniumbasen
Zu den bekanntesten quarternären Amoniumverbindungen zählt das Cetylpyridiniumchlorid (CPC). Aufgrund der kationischen, oberflächenaktiven Eigenschaft dieser Substanz, wird sie von Plaque und Zahnoberfläche angezogen. Die Wirkung beruht auf einer erhöhten Bakterienzellwandpermeabilität und einer verstärkten Lyse sowie einer Verminderung des Zellmetabolismus. (z.B. Odol-med3 Extreme Mundspüllösung, Glaxo Smith Kline).