Mechanische Therapieformen

Die Grundlage für die systematische Parodontalbehandlung ist die mechanische Entfernung supra- und subgingivaler Plaque im Rahmen der Initialtherapie. So kann durch Scaling/Root planing eine Verbesserung der klinischen Parameter der Parodontitis innerhalb von drei bis sechs Monaten nach der Therapie erzielt werden. Hierbei wird der klinische Erfolg der Therapie aber von verschiedenen Faktoren, wie z.B. der Fähigkeit des Patienten zur optimalen Mundhygiene, der Qualität der instrumentellen Behandlung, der Zusammensetzung der parodontalen Mikroflora und der Immunantwort des Patienten bestimmt.

Die positiven Wirkungen des subgingivalen Scalings umfassen u.a.

  • eine Reduktion der Entzündung
  • eine Reduktion der pathogenen Keime im Biofilm und damit eine positive Verschiebung der Verhältnisse zwischen pathogenen und benefiziellen Bakterien
  • eine Reduktion der Taschentiefe
  • einen Gewinn an klinischem Attachement und
  • eine Verlangsamung der Erkrankungsprozession.


Die Nachsorge entscheidet!

Die Einbindung des Patienten in ein Nachsorgeprogramm mit regelmäßiger Mundhygienemotivation und -instruktion und der Entfernung von supra- und subgingivalen Belägen mittels Scaling/Root planing verhindert ein erneutes Anwachsen der pathogenen subgingivalen Mikroflora über den Krankheit auslösenden Schwellenwert. Ohne konsequente Plaquekontrolle kann ansonsten bereits nach nur wenigen Wochen wieder eine pathogene subgingivale Flora nachgewiesen werden.

Klinisch führt die subgingivale Rekolonisation bei unzureichender Plaquekontrolle zu einem Parodontitis-Rezidiv, wobei die klinischen Parameter bereits zwei Monate nach der Behandlung wieder auf präoperative Werte ansteigen können. Die durch die Behandlung erzielte Verbesserung der klinischen Parameter ist ohne Nachsorge somit nur als kurzfristiger Effekt anzusehen. Der Schlüssel zur Stabilisierung der klinischen Situation liegt daher in der Konsequenz der Bemühungen, „Am Ball bleiben“ heißt folglich die Devise für Arzt und Patient.

Die positiven Wirkungen der mechanischen Therpie sind offensichtlich, haben aber auch ihre Grenzen. In speziellen Fällen, so beispielsweise bei der Anwesenheit bestimmter Bakterienkonstellationen sind allerdings zusätzlich zur instrumentellen Therapie adjuvante Antibiotikagaben erforderlich. Wann dies der Fall ist, darüber geben Ihnen Markerkeimanalysen Auskunft.

 Fazit:

  • die sorgfältige mechanische Entfernung der subgingivalen Plaque (SRP, Wurzelglättung) ist im Rahmen der Parodontalbehandlung unabdingbare Voraussetzung zur Entzündungskontrolle und muss jeder antibiotischen Begleittherapie unmittelbar vorrausgehen.
  • SRP kann durch konventionelle Küretten (z.B. Gracey- oder Universalküretten) erfolgen. Bei Einsatz oszillierender Scalersysteme (ggf. Schall- und Ultraschallscaler) ist auf eine effiziente Kühlung und ausreichende Hygienemaßnahmen zu achten. Der Ansatz sollte dabei seitwärts unter gemäßigten Anpressdruck erfolgen. Für eine gezielte Konkremententfernung mit Lasern zeigten lediglich Laser, die im 3 µm-Bereich strahlen (z.B. ER:YAG), gute Ergebnisse.
  • Die geschlossene Instrumentierung findet ihre Grenzen in der Erreichbarkeit schwer zugänglicher Bereiche wie Furkationsbeteiligungen, radikulären Bereichen und angrenzendem Weich- und Knochengewebe. In diesen Fällen ist eine offene Kürettage und ggf. eine antibiotische Begleittherapie indiziert.
  • Durch die rein mechanische Entzündungskontrolle können Parodontalpathogene, welche auf Zungenrücken, Wangenschleimhaut, Tonsillen sowie im parodontalen Weichgewebe lokalisiert sind, nicht erreicht werden. Eine adjuvante Antibiotikatherapie auf Basis einer Markerkeimbestimmung ermöglicht eine Keimreduktion über das subgingivale Debridement hinaus und sollte durch eine antibakterielle Behandlung nach dem Konzept der Full-Mouth Disinfection unterstützt werden.