Parodontitis-Therapie

Parodontitis: Bakterien sind die Hauptursache

Parodontitis und Periimplantitis sind multifaktorielle Krankheiten mit vielfältigen Ursachen. Als wichtigster Faktor gilt eine spezielle Gruppe von Bakterien, die das Zahnfleisch angreifen. Die sogenannten "Markerkeime" haben einen großen Einfluss auf die Progredienz des Attachmentverlustes. Aufgrund dieser pathogenetischen Rolle der Mikroorganismen ist das primäre Ziel der Parodontalbehandlung, die Anzahl parodontopathogener Keime zu verringern.

Für die Parodontitisbehandlung ist die Zusammensetzung und Konzentration der subgingivalen Flora entscheidend. Bei niedrigen Konzentrationen oder schwach pathogenen Keimen ist ein mechanisches Entfernen des Biofilms häufig ausreichend. Überschreitet die Bakterienlast jedoch die antibiotische Therapieschwelle, ist für eine langfristig erfolgreiche Therapie eine zusätzliche Gabe von Antibiotika notwendig.

Markerkeimtests unterstützen Parodontitis-Therapie

Damit die benefizielle Oralflora möglichst unbehelligt bleibt, ist es wichtig, dass das Antibiotikum selektiv auf die vorhandenen Infektionserreger abzielt. Dafür muss die Zusammensetzung des Keimspektrums bekannt sein. Markerkeimtests (z.B. micro-IDent® und micro-IDent®plus) weisen nach, welche Parodontitis-Bakterien vorhanden sind und empfehlen das optimal wirksame Antibiotikum. So erhöht sich die Erfolgsquote der Parodontitisbehandlung und die „Nebenwirkungen“ werden minimiert. Eine Kontrollanalyse etwa sechs bis acht Wochen nach der abgeschlossenen Antibiotikatherapie dokumentiert den Grad der Keimeliminierung.

Parodontitis Behandlungsplan

Die Parodontitisbehandlung lässt sich in die nachstehenden Phasen untergliedern:

I. Anamnese
Die erste Behandlungsphase bei Parodontitis umfasst eine klinische und röntgenologische Beurteilung des Parodonts (Zahnlockerung, Sondierungstiefe, Attachmentverlust) sowie das Erstellen des Mundhygienestatus. Eine umfassende Allgemeinanamnese deckt zusätzlich individuelle Risikofaktoren auf. Diese gesammelten Informationen ermöglichen es dem Behandler ein individuelles Therapiekonzept zu erstellen.

Messung der Zahnfleischtaschen bei einem Parodontitis Patienten

II. Hygienephase
Die Hygienephase umfasst die Entfernung supragingivaler Beläge mittels PZR sowie die Motivierung des Parodontitis-Patienten zu einer effektiven häuslichen Mundhygiene. Der Zahnarzt saniert insuffiziente Füllungen oder Kronenränder und extrahiert im Bedarfsfall nicht erhaltungswürdige Zähne, um die Bakterienanzahl weiter zu reduzieren.

III. Initialtherapie
Hat sich das klinische Bild durch diese Hygienemaßnahmen nicht verbessert, folgt die Initialtherapie. Hauptziel dieser instrumentellen Parodontitistherapie ist die Reduktion der parodontalen Markerkeime durch das Entfernen der subgingivalen Plaque (= geschlossene Kürettage oder Scaling und Wurzelglättung, SRP). Dies ist oft nur partiell möglich, da Restbakterien und gewebeinvasive Keime in dem angrenzenden Weichgewebe, in radikulären Bereichen oder Furkationsdefekten zurückbleiben können. Eine wiederholte Kürettage ist in diesen Fällen meist nicht Erfolg versprechend, sondern schädigt eher die Zahnhartsubstanz. Eine antibiotische Begleittherapie auf Grundlage einer mikrobiologischen Analyse kann hingegen auch Bakterien in schwer zugänglichen Bereichen reduzieren.

IV. Reevaluation
Die Reevaluation der klinischen Parameter nach 1 – 2 Monaten stellt die Grundlage für die weitere Therapie dar. Hat sich die klinische Situation des Parodontitis-Patienten gebessert, erfolgt der Übergang in die Erhaltungs- oder Recall-Phase. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, kann es notwendig sein, in die offene chirurgische Behandlungsphase überzugehen. Insbesondere bei vertikalen Knochendefekten sowie Furkationsbeteiligungen ermöglicht ein chirurgisches Vorgehen eine deutlich effizientere Plaquereduktion.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist eine mikrobiologische Analyse der Zahnfleischtasche erforderlich. Die Analyse klärt ab, ob bei der Zusammensetzung der subgingivalen Keimflora eine Antibiotikatherapie notwendig ist und falls ja, welcher Wirkstoff den optimalen Behandlungserfolg verspricht. Cave: Der intakte Biofilm schützt die Bakterien, daher muss direkt vor einer Antibiose die subgingivale Plaque entfernt werden.

Parodontitis: ein Leben lang

Eine Parodontitis kann nicht vollständig geheilt werden. Um dem Zahnverlust vorzubeugen bedarf es deshalb einer lebenslangen Betreuung seitens des Zahnarztes sowie intensiver häuslicher Mundhygienemaßnahmen. Je nach Risikostatus des Parodontitis-Patienten sind dazu Kontrolluntersuchungen im Abstand von 3 – 6 Monaten notwendig (Recall- oder Erhaltungsphase, unterstützende Parodontaltherapie, UPT). Hierbei prüft der Zahnarzt den klinischen Zustand des Parodonts, entfernt Beläge und führt zur Prophylaxe und Früherkennung erneuter Infektionen mikrobiologische Kontrolluntersuchungen durch. Sollte die Infektion erneut aufflammen, ist die Rückkehr zur Phase II des Behandlungsplanes notwendig.