Periimplantäre Infektionen – Vorbeugen mit Markerkeimanalysen

Die Verwendung osseointegrierter Implantate als Ersatz für verlorene, natürliche Zähne spielt heutzutage eine zunehmend wichtige Rolle. Diese im Grunde sinnvolle Therapie kann jedoch mit unangenehmen Folgen für Arzt und Patient behaftet sein. Die Periimplantitis zählt zu den gefürchtesten Komplikationen in der Implantologie. Sie kann unter bestimmten Umständen zum Verlust des Implantates samt prothetischer Versorgung führen. Daher stellt eine sorgfältig geplante Behandlungsstrategie, die die individuellen Risiken des Patienten auf Basis einer fundierten Diagnostik einbezieht, eine effiziente Möglichkeit dar, aufwändige Zahnrestaurationen auch langfristig erfolgreich zu gestalten. Im nachfolgenden möchten wir Ihnen aufzeigen, wie eine sorgfältige Planung im Vorfeld einer Behandlung das Risiko für periimplantäre Entzündungen minimieren kann.

Periimplantitis - Der Hintergrund

Die orale Implantologie ist ein fester Bestandteil der modernen Zahnheilkunde und die Zahl der osseointegrierten Implantate steigt stetig an. Damit verbunden werden implantologisch tätige Zahnärzte zunehmend mit der Problematik der Periimplantitis konfrontiert. Um die finanziell aufwändigen Restaurationen auch längerfristig erfolgreich zu gestalten, bedarf es daher eines sorgfältigen Behandlungsplanes. Hierbei sollten auch die individuellen Risiken des Patienten auf Basis einer fundierten Diagnostik berücksichtigt werden. Die mikrobiologische Diagnostik bietet hier ein wichtiges Werkzeug zur frühzeitigen Diagnosestellung und Prävention des drohenden bakteriell bedingten Implantatverlustes. 

Das Keimspektrum der Periimplantitis entspricht dem der Parodontitis

Bakterielle Infektionen der periimplantären Mukosa ohne Beteiligung des Knochens sind reversibel und werden als Mukositis bezeichnet. Bei fortschreitender Entzündung mit progressivem, irreversiblem Knochenverlust, spricht man dagegen von einer Periimplantitis. Sie kann zur Lockerung oder sogar zum Verlust des Implantates führen. Das Keimspektrum der bakteriell bedingten Infektionen ist dabei analog zu dem von Parodontalerkrankungen. So wurden folgende Bakterienspezies P. gingivalis, T. forsythia, T. denticola, P. intermedia sowie F. nucleatum, E. corrodens, C. rectus, P. micros und A. actinomycetemcomitans in signifikant erhöhten Konzentrationen bei Patienten mit Implantatsmisserfolgen gefunden (Callan, 2005; Listgarten, 1999).

Sie sehen: Die für den Verlust der natürlichen Bezahnung verantwortlichen Keime gefährden so auch die erfolgreiche Eingliederung des Zahnersatzes. Die mikrobiologische Analyse ist folglich auch in der Implantologie ein wichtiges Werkzeug zur frühzeitigen Diagnostik und zielgerichteten Prävention. 

Daher gilt auch hier: Vorbeugen ist besser als heilen!

Ist eine Periimplantitis allerdings erst einmal manifestiert, steigen Behandlungsaufwand und folglich die entstehenden Kosten. Außerdem steigt der Leidensdruck des Patienten. So sollte auch im Hinblick auf die implantatprotethische Versorgung großen Wert auf Prävention gelegt werden. Mit Hilfe von Markerkeimbestimmungen und darauf abgestimmte therapeutische Maßnahmen können Probleme bevor sie entstehen vermieden werden.

Demnach erlauben vor Eingliederung enossaler Implantate durchgeführte mikrobiologische Untersuchungen die Behandlungsmaßnahmen auf die individuelle Situation des Patienten abzustimmen. Nur so kann das Risiko eines Implantatsmisserfolges deutlich minimiert werden. Die Keimanalyse zeigt, ob ein geplanter Eingriff aufgrund bestehender Bakterienbelastung von vorneherein riskant ist. Auf Basis der Markerkeimanalysen mit micro-IDent® und micro-IDent®plus kann die Entscheidung getroffen werden, welche therapeutischen Maßnahmen für die Eradikation der Bakterienbelastung erforderlich sind. Diese bestehen in der Regel aus einer Kombination aus mechanischen Therapieformen und gegebenenfalls Antibiotika-Gaben. Eine negative Kontrollanalyse signalisiert Keimfreiheit und ist daher Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Die Keimanalyse gestattet also optimale Behandlungssicherheit in Ihrem und im Interesse des Patienten.

Checkliste der Periimplantitis-Risikofaktoren:

  • Klinische Parameter: Sondierungstiefe, Blutung auf Sondierung, Sekret- oder Eiteraustritt, klinischer „Attachementlevel“Verlauf des marginalen Kieferknochens, Beurteilung der Defektmorphologie
  • Zusammensetzung des subgingivalen Keimspektrums
  • Natürliche Restbezahnung
  • Genetische Prädisposition
  • Rauchen
  • Allgemeinerkrankungen
  • Compliance/Mundhygiene (Plaqueindices)
  • Okklusionsanomalien
  • Implantatposition


Callan,D.P., et al., 2005. DNA probe identification of bacteria colonizing internal surfaces of the implant-abutment interface: a preliminary study. J. Periodontol. 76: 115-120.

Listgarten,M.A. & Chern-Hsiung L., 1999. Comparative microbiological characteristics of failing implants and periodontally diseased teeth. J. Periodontol. 70: 431-437.

Mombelli, A., 2002. Microbiology and antimicrobial therapy of peri-implantitis. Periodontol. 2000 28: 177-189.