Auf wieviele Keime muss denn wirklich getestet werden?

Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, auf wieviele Bakterienspezies denn nun eigentlich getestet werden sollte. Dies kann nicht verallgemeinert beantwortet werden, sondern hier gilt es unter Berücksichtigung der klinischen Situation und im Hinblick auf die spezielle Situation des Patienten hin zu entscheiden. Hierzu aber ein paar Hinweise:

Ätiologische Assoziationen bestimmter Bakterien-Spezies mit bestimmten Formen der Parodontitis sind heute unbestritten. So gilt der leukotoxinbildende Aggregatibacter actinomycetemcomitans (Aa) als die bakterielle Ursache aggressiver Parodontitiden, insbesondere ihrer lokalisierten aber auch der generalisierten juvenilen Formen. Für die chronische Parodontitis ist die ätiologische Bedeutung von Porphyromonas gingivalis (Pg), aber auch von Tannerella forsythia (Tf) und Treponema denticola (Td) unbestritten, die Virulenzfaktoren dieser Spezies sind auch schon zumindest teilweise recht gut bekannt.

Natürlich gibt es neben diesen genannten Erregern noch eine ganze Anzahl anderer Spezies, für die eine ätiologische Bedeutung für die Parodontitis postuliert wird. Die Arbeitsgruppe um Socransky und Haffajee hat in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, parodontopathogene Keime mit jeweils etwa der gleichen ätiologischen Signifikanz in Komplexen zusammenzufassen (Komplextherorie), denen sie dann verschiedene Farben zugeordnet haben. Während Aa wegen seiner besonderen Stellung bei der aggressiven Parodontitis keinem dieser Komplexe angehört, sondern gewissermaßen eine Sonderstellung einnimmt, enthält beispielsweise der rote Komplex (große ätiologische Bedeutung) die oben genannten drei anderen parodontopathogenen Spezies Pg, Tf und Td.

Nach Untersuchungen des Forsyth-Instituts (Boston, USA) sind gemäß der Komplex-Theorie nach Socransky et al. (1998) neben Aggregatibacter actinomycetemcomitans vor allem die Keime des roten, orangen, orange-assoziierten und des grünen Komplexes für die Entstehung und das Fortschreiten der Parodontitis verantwortlich. Hierbei wird insbesondere den Keimen Aa, Pg, Tf, Td und Pi eine sehr stark bzw. stark pathogene Wirkung zugerechnet. Diese Pathogene können rasch und sicher mit einer Untersuchung des Basistests micro-IDent® untersucht werden.

Was bedeutet das praktisch?

Entgegen aktuellen Bestrebungen, zwanzig und mehr Keime der Subgingivalflora zu bestimmen, ist es sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus finanzieller Sicht ausreichend, sich auf die oben genannte Kerngruppe zu konzentrieren (Ezzo und Cuttler [2003], Winkelhoff und Winkel [2005]).

In Abhängigkeit vom klinischen Bild und der Behandlungsphase kann es durchaus sinnvoll sein, zunächst lediglich die Anwesenheit der fünf wichtigsten Parodontalpathogene zu überprüfen. Für diesen Fall bietet sich eine Analyse mit unserem Testsystem micro-IDent® an.

Dennoch ist die therapeutische Konsequenz umso fundierter, je mehr der kausal verantwortlichen Keime bestimmt werden. So kann zum Beispiel das Vorliegen von Keimen des grünen Komplexes in hoher Konzentration die Wahl des optimal wirksamen Antibiotikums nachhaltig beeinflussen. Die zusätzlichen sechs Spezies von moderater bis starker Pathogenität, deren Vorkommen und Konzentrationen gemeinsam mit den oben genannten Spezies in einer Untersuchung mit micro-IDent®plus bestimmt werden, können so die Therapiewahl beeinflussen, aber auch für sich alleine betrachtet bereits eine behandlungsbedürftige Situation ergeben.

Die Testsysteme micro-IDent® und micro-IDent®plus ermöglichen Ihnen umfassende Analysen der Subgingivalflora. Die micro-IDent® Ergebnismitteilungen zeigen Ihnen auf einen Blick, welche Bakterienspezies und –komplexe bei Ihren Patienten nachgewiesen wurden, und welche Gesichtspunkte folglich in der weiteren Behandlungsplanung Berücksichtigung finden sollten. 

Wann Sie welchen Test einsetzen sollten, erfahren Sie hier!