Interleukin-1 und Implantate

Die Versorgung mit Implantat-getragenem Zahnersatz bringt einen erheblichen Planungs- und Kostenaufwand mit sich. Es gilt als gesichert, dass dieselben Keime, die eine chronische Parodontitis verursachen, auch die Ursache für bakteriell bedingte Periimplantitis sind. Um das Risiko für spätere Infektionen zu minimieren, sollte daher bereits vor der Implantation eine Keimanalyse durchgeführt werden. Liegt eine Belastung mit parodontopathogenen Bakterien vor, wird eine Keimreduktion vor der Implantation dringend empfohlen. Da IL-1-positive Implantatträger besonders empfindlich auf pathogene Bakterien reagieren, kann auch die Vorkenntnis über die Entzündungsneigung des Patienten den Behandlungserfolg maßgeblich beeinflussen (Agerbaeck et al, 2006). So haben verschiedene wissenschaftliche Veröffentlichungen gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von IL-1-Veränderungen und dem Auftreten von periimplantären Komplikationen besteht. Die Tendenz wird zusätzlich verstärkt, wenn weitere Risikofaktoren, wie z.B. Rauchen und bestimmte Keimkonstellationen hinzukommen. Insbesondere die Kombination aus Rauchen und Risiko-Genotyp bringt auch hier ein deutlich höheres Risiko für Implantatkomplikationen oder Implantatverlust mit sich. So weisen Raucher mit Veränderungen im IL-1-Gen ein erhöhtes Risiko für Implantatverlust auf: Bis zu 50% der Raucher zeigten Implantatkomplikationen und der Attachmentverlust im Recall war bis um das Dreifache höher. Bei Rauchern mit Zahnverlust infolge einer Parodontitis wird die Bestimmung des IL-1-Genotyps daher dringend empfohlen. Für den Implantologen stellt die Analyse ebenfalls eine Möglichkeit dar, sich gegen Implantatversagen und mögliche Regressforderungen abzusichern.