Schwangerschaft und Zahngesundheit

 

Was haben Zahngesundheit und Schwangerschaft miteinander zu tun?

Tatsächlich viel mehr als den meisten von uns bewusst ist! Insbesondere Erkrankungen des Zahnhalteapparates wie Parodontitis („Parodontose“) und Gingivitis haben nämlich nicht nur Auswirkungen auf die Mutter, sondern auch auf das ungeborene Kind. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten daher frühzeitig ein besonderes Augenmerk auf ihre Zahngesundheit richten.

Frühgeburt und Zahngesundheit

In Deutschland kommen jährlich ca. 48.000 Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt und gelten damit als Frühgeburten. Wenngleich sich die Chancen für Frühgeborene aufgrund der modernen Medizin erheblich verbessert haben, birgt dennoch jede Frühgeburt ein erhebliches Gesundheitsrisiko für das Kind, auch in Form möglicher Spätfolgen. Aus diesem Grund gilt es, bereits im Vorfeld, spätestens aber bei bestehender Schwangerschaft, alle Faktoren, die das Auftreten einer Frühgeburt begünstigen, so weit wie möglich zu verringern. Neben den bekannten Risikofaktoren wie Diabetes, Störungen der Schild-
drüsenfunktion, Bluthochdruck oder chronischem Stress, wurden die Auswirkungen, die von Entzündungen im Mundraum ausgehen, lange unterschätzt.  Heute weiß man: die Gesundheit von Zähnen und Zahnhalteapparat sind für Mutter und Kind gleichermaßen von großer Bedeutung! Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten daher frühzeitig Ihren Zahnarzt auf dieses Thema ansprechen. 

Risikofaktor Parodontalerkrankung

Die Parodontitis gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. In Deutschland sind mehr als 60% der Erwachsenen von dieser durch Bakterien hervorgerufenen Infektionskrankheit betroffen, die letztlich zum Zahnverlust führen kann! Parodontitis-Bakterien können bereits beim Zähneputzen in den Blutkreislauf gelangen. Der Körper reagiert darauf mit der Produktion von Signalstoffen, die der Steuerung der Immunreaktion dienen. Diese sogenannten Zytokine können – wie auch die Bakterien selbst – bei Schwangeren über den Blutkreislauf der Mutter in die Plazenta gelangen, wo sie zu einer Verzögerung des Wachstums des Ungeborenen, zu vorzeitigem Blasensprung oder verfrühten Wehen führen können. Die mögliche Folge ist eine Frühgeburt mit zu niedrigem Geburtsgewicht des Neugeborenen. Nach den Ergebnissen einer US-amerikanischen Untersuchung kann das Frühgeburtsrisiko bei Schwangeren mit Parodontitis auf mehr als 20% ansteigen, die erfolgreiche Behandlung der Zahnerkrankung hingegen verringert das Risiko erheblich!

Wie entstehen Parodontalerkrankungen?

Parodontalerkrankungen beginnen mit der Bildung von Zahnbelägen. Wird diese Plaque nicht sorgfältig und regelmäßig entfernt, verhärtet sie sich zu Zahnstein, der das Zahnfleisch reizt und zu leichten Entzündungsreaktionen führt. Die Folge: das Zahnfleisch rötet sich, schwillt an und reagiert bereits beim normalen Zähneputzen mit einer erhöhten Blutungsneigung. Diese leichte Form der Zahnfleischerkrankung wird Gingivitis genannt und kann durch sorgfältige und regelmäßige Entfernung aller Beläge vollständig geheilt werden. Unterbleibt dies aber, so breitet sich die Entzündung weiter aus, es entsteht eine Parodontitis. Im Unterschied zur Gingivitis sind die Folgen der Parodontitis unumkehrbar: aufgrund des fortgesetzten Entzündungsgeschehens beginnen die Zähne zu wackeln, verlieren schließlich ihren Halt im Kieferknochen und fallen aus. Dies muss aber nicht sein, denn wird der Prozess frühzeitig erkannt und zielgerichtet behandelt, kann der Zahnverlust langfristig vermieden und die Erkrankung gestoppt, zumindest aber deutlich verlangsamt werden. Viele Schwangerschaftskomplikationen, die auf Parodontalerkrankungen zurückzuführen sind, können durch regelmäßige Zahnarztbesuche und eine optimale häusliche Mundhygiene vermieden werden. Leider reagieren viele Schwangere auf das Auftreten von Zahnfleischbluten falsch und reduzieren die Mundhygiene aus Angst vor weiteren Blutungen. Dabei gilt es gerade jetzt, die Zähne wie gewohnt zu putzen und auch nicht auf den Einsatz von Zahnseide zu verzichten.

Schwangerschaftsgingivitis

Viele Frauen entdecken während der Schwangerschaft eine verstärkte Rötung, Schwellung und Blutung ihres Zahnfleisches. Diese als Schwangerschaftsgingivitis bezeichnete Form der Gingivitis wird durch Hormonumstellungen im weiblichen Körper verstärkt. So führen die Schwangerschaftshormone zu einer vermehrten Schleimhautdurchblutung und Auflockerung des Gewebes, was einerseits das Eindringen von Bakterien erleichtert, andererseits auch bereits bestehende Zahnbettreizungen und -erkrankungen verstärkt. Bereits geringe Plaque- bzw. Bakterienmengen können jetzt zu Zahnfleischentzündungen führen, und auch die Anfälligkeit für die Entstehung einer Parodontitis steigt.

»Hält man sich vor Augen, dass die Parodontitis eine chronische Entzündung darstellt, die im Fall einer mittelschweren Erkrankung in einem voll bezahnten Gebiss einer handtellergroßen Wunde entspricht, wird offensichtlich, dass unverzüglicher Handlungsbedarf besteht.«


Vor und während der Schwangerschaft zum Zahnarzt

Auch während der Schwangerschaft müssen die regelmäßigen zahnmedizinischen Kontrolluntersuchungen eingehalten werden, da nur auf diese Weise mögliche Entzündungen frühzeitig entdeckt und behandelt werden können. Informieren Sie Ihren Zahnarzt über das vermehrte Auftreten von Zahnfleischbluten, damit dieser Ihnen Tipps für die Optimierung der täglichen Zahnpflege zu Hause geben kann. Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten das Gespräch mit ihrem Zahnarzt suchen. Gerade vor einer geplanten Schwangerschaft liegt der ideale Zeitpunkt, um bereits im Vorfeld alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die für die Gesundheit von Mutter und Kind wichtig sind. Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch sollten daher nicht nur ihren Gynäkologen aufsuchen, sondern auch ihren Zahnarzt um Abklärung ihrer parodontalen Gesundheit bitten. 

Testen Sie Ihr Risiko!

Für das Entstehen, Ausmaß und den Verlauf von Parodontalerkrankungen ist, neben anderen Faktoren, insbesondere das Vorhandensein bestimmter Bakterienarten von entscheidender Bedeutung. Diese Bakterien und die von ihnen produzierten Giftstoffe führen zu einer Abwehrreaktion des Körpers, die sich aber nicht nur gegen die Keime, sondern auch gegen körpereigenes Gewebe richten kann. Zahnfleischbluten, die Bildung tiefer Zahnfleischtaschen, der Rückgangdes Zahnfleisches sowie die Lockerung und der Verlust von Zähnen sind die Folge. Das muss aber nicht sein!
Die Testsysteme micro-IDent® und micro-IDent®plus geben Auskunft darüber, welche und wie viele der ParodontitisBakterien bei Ihnen vorliegen. Auf Basis dieser Information kann der Zahnarzt entscheiden, welche Maßnahmen für die Beseitigung der Bakterien erforderlich sind. In Abhängigkeit vom klinischen Befund und dem mikrobiologischen Testergebnis, insbesondere aber vom Stadium der Schwangerschaft, umfassen die möglichen Maßnahmen spezielle Formen der Zahnreinigung über erforderliche Zahnrestaurationen bis hin zur systematischen Parodontitistherapie. Wichtigstes Ziel ist es, vorhandene Keime zu reduzieren und bestehende Entzündungen zu beseitigen. Die zahnärztlichen Maßnahmen orientieren sich dabei selbstverständlich an den medizinischen Besonderheiten der Schwangerschaft. Auf diese Weise kann durch eine konsequente und auf die Schwangerschaft abgestimmte Therapie das Risiko, dass für das Ungeborene von Parodontalerkrankungen ausgeht, minimiert werden.

»Achten Sie auf Ihre Zahngesundheit und schützen Sie Ihr ungeborenes Kind. Ihr Zahnarzt berät Sie gerne.«

Parodontalerkrankungen wie Gingivitis und Parodontitis sind Infektionskrankheiten, die während der Schwangerschaft zu Komplikationen führen können. Auslöser ist eine spezielle Gruppe von Bakterien, die sogenannten Markerkeime. Markerkeimanalysen mit micro-IDent® und micro-IDent®plus geben Auskunft darüber, ob, und wenn ja, welche der Parodontitis-Bakterien bei Ihnen vorhanden sind. Diese Information hilft Ihrem Zahnarzt bei der Planung einer individuellen Behandlung, die darauf abzielt, die vorhandene Bakterienmenge zu reduzieren bzw. zu beseitigen. Im Verlauf der Behandlung dient das Testergebnis darüber hinaus als Kontrolle, die zeigt, ob die schädlichen Bakterien entfernt werden konnten.